Was bedeutet digitale Transformation für die Print-Branche?

Häufig wird man gefragt, was die wichtigsten Trends in der Print-Branche sind. Die schnellste, treffendste und erschreckendste Antwort lautet: Der einzig relevante Trend ist „Die digitale Transformation der Branche“.

Es wird seit Jahren über die Kraft und Auswirkung von Disruption gesprochen, das betrifft auch die Print-Branche. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass nicht mehr gedruckt wird, weil die digitale Kommunikation absolut im Vordergrund steht. Es wird eher mehr gedruckt: schneller, individueller, zielgerichteter und bedarfsorientierter. Print ist nicht tot! Das bedeutet aber nicht, dass die Print-Branche, wie wir sie heute kennen, überleben wird.

Das Problem der Überkapazitäten

Mit jeder neuen Generation von Druckmaschinen, ob es eine digitale oder eine traditionelle Druckmaschine ist, sinken die Stückkosten und der Output der Druckmaschinen steigt. Investiert ein Drucker in eine neue Maschine bedeutet dies automatisch, dass er das Auftragsvolumen erhöhen muss, um die Maschine wirtschaftlich betreiben zu können. Die alte Druckmaschine, die ersetzt wird, wird verkauft und verschwindet nicht vom Druckmarkt. Natürlich wird individueller und zielgerichteter gedruckt. Das bedeutet, dass die Auflagen sinken und mehr unterschiedliche Seiten gedruckt werden. Jedoch stagniert der weltweite Papierverbrauch auf konstant hohem Niveau. Die Druckbranche befindet sich also in einem ruinösen Verdrängungswettbewerb. Mit jeder neu gekauften Druckmaschine stirbt irgendwo anders langsam eine Druckerei.

Print und Publishing werden ein Teil der digitalen Strategie

„Digital first“ dominiert die Kommunikationsstrategien der Unternehmen. Die Zeit, dass es gleichberechtigte digitale und offline Kanäle gibt, ist längst vorbei. Print wird nicht sterben, aber Print wird Teil der digitalen Kommunikation. Werden nun Print und Publishing Teil der digitalen Kommunikation, so unterliegen diesen auch die digitalen Gesetze. 

Dies hat weitreichende Auswirkungen für Agenturen, Mediendienstleister und Druckereien. 

  • Simplizität für den Kunden
    Für den Kunden muss es einfach und bequem sein. Dies umso mehr, da Kunden immer weniger Druck Know-how im Hause haben. Die Erfahrung der Anwender im privaten Umgang mit digitalen Services wirkt sich immer mehr auch auf das Geschäftsleben aus. Ein Anwender, der am Wochenende eine Geburtstagseinladungskarte mit einem Klick beim Online-Drucker druckt, wird am nächsten Tag die Firmendrucksachen genauso abwickeln wollen. 
  • Anywhere & Anytime
    Das Internet entkoppelt uns von Zeit und Raum. Der Benutzer kann jederzeit alles an jedem beliebigen Ort der Welt machen. Die Entkoppelung vom Ort ist mit dem Siegeszug des mobilen Internets und den Smartphones noch stärker vorangeschritten. Das bedeutet, dass  Kunden jederzeit und überall schnell und unkompliziert drucken möchten.
  • Geschwindigkeit & weniger ist mehr
    Die digitale Kommunikation ist stark vom Trial & Error-Prinzip beeinflusst. Es wird schnell und unkompliziert ausprobiert. Hat der Versuch Erfolg wird die Idee weiterentwickelt. Ansonsten wird die nächste Idee ausprobiert. Dieses Trial & Error-Prinzip wird auch für Print-Publikationen angewendet werden.

Plattformen & Cloud Services

Unternehmenskunden und Endkunden wickeln immer mehr Tätigkeiten über digitale Plattformen ab. Sie buchen Services und Produkte On Demand in der Cloud. Das wird auch für Publishing und Print-Services passieren. Die Online-Druckereien sind „nur“ ein Vorbote oder die Plattformen auf denen Unternehmen Grafikleistungen und Bildbearbeitungsservices einkaufen können. Die Abwicklung über intelligente Plattformen wird immer wichtiger, da Kunden immer mehr „Print Know-how“ im Hause verlieren. Immer mehr digital Natives sind in den Marketing- und Kommunikationsabteilungen vertreten, die keinerlei Wissen über Print verfügen.

Résumé

Langfristig ist Print und Publishing ein Teil der digitalen Kommunikation. Drucker und spezialisierte Mediendienstleister werden ihre Services über Plattformen anbieten. Diese Plattformen stellen für den Kunden Qualität, Prozesssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Distribution und weltweite Verfügbarkeit sicher.

Print und Publishing erhalten in der digitalen Kommunikation eine neue Bedeutung, aber nach digitalen Spielregeln. Die gute alte Print-Branche wie wir sie heute kennen ist definitiv am Aussterben.

Horst Huber

Horst Huber

Horst Huber ist Pionier im Bereich des systemgestützten Publizierens. Seine tiefen Kenntnisse in den Bereichen Cross Channel Marketing, Prozessoptimierung, Database Publishing/Web-to-Print, Benchmarketing, Potentialanalysen resultieren aus mehr als 25 Jahren Projekterfahrung im Handel, Versandhandel und in Industrieunternehmen.