Würde Johannes Gutenberg heute ein Smartphone kaufen?

Johannes Gutenberg wurde irgendwann zwischen 1394 und 1405 geboren – so genau weiß man es nicht. Und ehrlich gesagt: Darauf kommt es auch nicht wirklich an. Worauf es jedoch ankommt ist, dass Herr Gutenberg mit der Entwicklung des Buchdrucks nicht mehr und nicht weniger als eine dritte Medienrevolution auslöste. Jetzt fragen Sie sich sicher (und das zu Recht): Was waren denn die ersten zwei Revolutionen? Die Ausbildung einer Sprache und die Erfindung komplexer Schriftsysteme werden allgemein als wichtige evolutionäre Entwicklungsstufen des Menschen angesehen. Spätestens jetzt wird die Bedeutung der Buchdruck-Erfindung Johannes Gutenbergs sehr klar. Bücher konnten schneller und in größeren Mengen mit Hilfe von Technologie produziert werden, wurden somit billiger und erreichten so nach und nach die Massen. Merken Sie was?

Schneller, günstiger, immer verfügbar

Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor? Das Internet wurde spätestens mit der Erfindung des World Wide Web ein Medium für die Massen. Noch schneller, noch günstiger, ebenso  immer verfügbar! Das Smartphone selbst machte dieses Medium unseres Informationszeitalter auch noch mobil. Bald konnte man an jeder Ecke dieser Welt per Smartphone zu jeder Zeit Informationen konsumieren.

Also zurück zur Ausgangsfrage: Würde Herr Gutenberg ein Smartphone kaufen, soziale Medien nutzen und über die allgemeinen Plattform  – das Internet – Informationen verbreiten?

Wir können jetzt natürlich nicht in die Vergangenheit zurückreisen und Herrn Gutenberg hierzu befragen. Ich möchte auch bezweifeln, dass er begreifen könnte, was er in Händen halten würde, gäbe man ihm ein Smartphone in die Hand. Und dennoch: Es gibt so viele Parallelen der beiden Technologien, so dass ich zu dem Ergebnis komme, dass Herr Gutenberg ein Fan des digitalen Medienzeitalters wäre.  Johannes Gutenberg hätte gewiss auch das Zeug dazu, zu jenen Pionieren des digitalen Medienzeitalters zu gehören, die die digitale Revolution aktiv mitgestalten.

Warum komme ich zu dieser These?

Ein Blick zurück hilft, die heutigen Entwicklungen besser zu verstehen. In der Zeit nach Gutenberg kam es zu einem regelrechten Rausch während der Gründung von vielen Druckereien. Bahnbrechende Erfindungen wurden von mutigen Pionieren gemacht, andere Pioniere, mit nicht weniger Mut, scheiterten an ihrem Vorhaben. Investoren mit Risikokapital wurden von diesem Gründerzeitgeist angezogen, es entstand ein Klima das wie ein Inkubator die Innovationen beschleunigte. Jeder wollte der Erste sein, der erste mit neuen Buchtiteln, der erste der Informationen verbreitete, der erste mit neuen Technologien. Diese Entwicklung war nicht ohne Widersacher. Es kamen Diskussionen auf, ob man eine solche Massenverbreitung von Informationen nicht kontrollieren müsse. Würden die vielen Bücher nicht zu einer Verdummung der Menschheit führen oder sie oberflächlich werden lassen? Wäre das Machtgefüge der damaligen Zeit nicht in Gefahr, wenn jeder Mensch – egal welcher Herkunft und gleichgültig mit welchem Geldbeutel, Informationen aus Büchern zur Verfügung hätte? Im damaligen Rom aber auch anderswo unterlagen Druckereien aus diesen Ängsten heraus strengen Kontrollen, ja sogar Bücherverbrennungen wurden durchgeführt. Gäbe es eine Nachrichten-Sendung aus dieser Zeit, würden uns viele Nachrichten sehr bekannt vorkommen.

Bei allen Gemeinsamkeiten gibt es jedoch auch Unterschiede: Während das erste Informationszeitalter über 500 Jahre von auf Papier gedruckten Informationen beherrscht wurde und lange Zeit die Drucktechnologie das einzige Massenverbreitungsmedium war, entwickelt sich unsere Technologie im heutigen Informationszeitalter mit rasanter Geschwindigkeit. Innerhalb von nicht einmal 30 Jahren haben wir mehrere Technologie-Generationen durchlebt und wurden mit neuen Kommunikationsformen und Informations-Plattformen konfrontiert. Wir sahen viele Internetriesen kommen und einige auch wieder gehen. Die schwindelerregende Innovationsgeschwindigkeit und die tiefen Auswirkungen auf das tägliche Leben und Zusammenleben von Menschen, führt ebenso wie in der Zeit nach Gutenberg zu Diskussionen über Informationsfreiheit und dem Ruf nach Kontrolle.

Ist es nun ein feststehendes Ergebnis der vierten Medienrevolution, dass irgendwann Druck und Papier vollständig abgelöst werden?

Angesichts der erst jungen Geschichte des heutigen digitalen Informationszeitalters wäre es sehr vermessen, in die weite Zukunft zu sehen. Beschränken wir uns also auf die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre: Bereits heute ist die digitale Information das erste Mittel der Wahl. Doch innerhalb der digital dominierten Welt gibt es einen Platz für das gedruckte Wort. So wie viele Bücher heute auf einem digitalen Endgerät als digitale Version anzeigt werden, dennoch aber viele Menschen zu dem gedruckten Exemplar greifen, so wird es auch Print innerhalb einer digital dominierten Welt geben. Dabei muss sich Print jedoch neu erfinden.

Es ist spannend und begrüßenswert, dass es so einfach geworden ist, Inhalte zu verbreiten. Aus kommunikativer Sicht verhält es sich mit dem Übergang von der dritten zur vierten Medienrevolution so wie von der ersten zur zweiten:

Oder haben die Menschen aufgehört zu sprechen als Schriftsysteme sich unter den Menschen verbreiteten?

Dietmar Feld

Dietmar Feld

Dipl.-Ing. Dietmar Feld ist Head of Professional Service bei WERK II. Zuvor war er viele Jahre im Bereich des software- und systemgestützten Publishings als Consultant, Presales Consultant, Projektmanager und Produktmanager tätig. Heute bringt er seine vielfältigen Branchenerfahrungen in die Organisation von WERK II ein, um gemeinsam mit Partnern und Kunden priint:suite-Projekte erfolgreich umzusetzen.